Auf­grund der Coronavirus-Pandemie konnte die Jah­res­ta­gung des baden-württembergischen Lan­des­ver­bands im ZKM Karls­ru­he am 25. März 2020 nicht statt­fin­den. Sie wird nun am 10. Oktober 2020 nach­ge­holt.

Fä­cher­über­grei­fend (Bil­den­de Kunst, Ge­schich­te mit Ge­mein­schafts­kun­de, Ba­sis­kurs Me­di­en­bil­dung) setzt sich die Jah­res­ta­gung des LV Baden-Württemberg in Work­shops mit der Äs­the­tik der di­gi­ta­len Kunst, ge­sell­schaft­li­chen Re­le­vanz und ethi­schen Fra­ge­stel­lun­gen, die sich mit dem Einsatz der di­gi­ta­len Medien an Schulen stellen, sowie der Mög­lich­keit Kunst selbst zu er­zeu­gen, aus­ein­an­der. Diese Aspekte werden mit Bezug zum Deutsch­un­ter­richt prak­tisch in Work­shops the­ma­ti­siert. Die Referent*innen der Mu­se­ums­kom­mu­ni­ka­ti­on des ZKM ver­mit­teln aus der Per­spek­ti­ve der Kunst­ver­mitt­lung; Deutschlehrer*innen zeigen mit einem methodisch-didaktischen Bezug zum Deutsch­un­ter­richt unter Ver­wen­dung von Tablets, welchen „di­gi­ta­len Mehr­wert“ der Einsatz der di­gi­ta­len Medien haben kann.

Ein „Markt­platz“ bietet prak­ti­sche Un­ter­richts­ma­te­ria­li­en, die Sie z.B. unter dem Titel „Deutsch2Go – Ein­satz­mög­lich­kei­ten des Er­klär­vi­de­os im DU“ vor­fin­den werden.

Ein Ab­schluss­vor­trag mit an­schlie­ßen­der Dis­kus­si­ons­mög­lich­keit rundet die Jah­res­ta­gung ab.

Ver­an­stal­tungs­ort: Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) Karls­ru­he
Datum: Samstag, 10. Oktober 2020
Uhrzeit: 10:00 Uhr bis 16:30 Uhr
An­mel­dun­gen: richard.kremer@web.de
Kosten: 30 € für Mit­glie­der, 50 € für Nicht­mit­glie­der

Vor Ort besteht die Mög­lich­keit, die Mit­glied­schaft im Fachverband Deutsch im DGV zu er­wer­ben und das Ta­ges­ti­cket bei der An­mel­dung am Re­ser­vie­rungs­tre­sen vor dem Vor­trags­saal zu kaufen.

Diese Ver­an­stal­tung ist offen für In­ter­es­sier­te, Mit­glie­der sowie Nicht­mit­glie­der des LV Baden-Württemberg.

Pro­gramm

Work­shop 1: Annett Bi­en­haus, „Let’s Play – Von der Story zum Com­pu­ter­spiel“

Com­pu­ter­spie­le nehmen im Leben der meisten Kinder und Ju­gend­li­chen viel Raum ein. In der ZKM Aus­stel­lung „zkm_ ga­me­play. the next level“ wird deren Be­deu­tungs­zu­wachs im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt dar­ge­stellt. Spe­zi­ell der Aus­stel­lungs­be­reich „level2: modern nar­ra­ti­ves“ widmet sich den ein­zig­ar­ti­gen, er­zäh­le­ri­schen Mög­lich­kei­ten. In vielen Com­pu­ter­spie­len finden sich Grund­for­men aus Er­zäh­lun­gen und Li­te­ra­tur. Nicht nur Fantasy-Rollenspiele be­zie­hen ihre  Motive aus alten  Sagen und Hel­den­epen. Die Hel­den­rei­se, die klas­si­sche Be­wäl­ti­gung von Kon­flik­ten und Krisen und die Ent­wick­lung des Prot­ago­nis­ten, ist ein seit Jahr­hun­der­ten be­kann­tes Thema und auch hier oft Haupt­be­stand­teil. Unsere Her­an­ge­hens­wei­se wird ein ge­mein­sa­mes Er­ar­bei­ten einiger aus­ge­wähl­ter Spiele sein; dabei wird zu­nächst das Spielen selbst im Vor­der­grund stehen. In einem wei­te­ren Schritt werden dann ein­zel­ne Games in Bezug auf Story, Äs­the­tik, Hand­lungs­ebe­nen, Prot­ago­nis­ten und kulturell-soziale Ver­or­tung genauer unter die Lupe ge­nom­men. Nach Ein­füh­rung in ein Vi­deo­schnitt­pro­gramm auf dem Tablet er­stel­len die Teil­neh­mer ein 2–5‑minütiges Let’s Play zu einem Com­pu­ter­spiel in der Aus­stel­lung.

Zur Person von Annett Bi­en­haus: Nach dem Studium der Freien Malerei tätig als frei­schaf­fen­de Künst­le­rin mit di­ver­sen Preisen, Sti­pen­di­en, Einzel- und Grup­pen­aus­stel­lun­gen im In- und Ausland. Frei­schaf­fen­de Tä­tig­keit als Do­zen­tin an der Ju­gend­kunst­schu­le Karls­ru­he und im Jubez Karls­ru­he von 2007–2017 im Bereich Malerei, Zeich­nung und künst­le­ri­scher Früh­erzie­hung. Seit 2007 frei­schaf­fen­de Re­fe­ren­tin für Work­shops am ZKM, vor­ran­gig mit den Ziel­grup­pen Schul­klas­sen und Kin­der­gär­ten.

Work­shop 2: Markus Rose, „Bewegt_Bild_Experimente“

Ge­dich­te und Texte sind auch eine Abfolge von Zeichen. Wir setzen diese Zeichen und Buch­sta­ben in Be­we­gung. Das ge­schrie­be­ne Wort ent­facht in unserer Fan­ta­sie bereits einen Film. Mit dem be­weg­ten Bild tritt eine au­ßer­halb der Text­ebe­ne be­find­li­che op­ti­sche, teil­wei­se vom Gedicht weg­füh­ren­de, teils das Gedicht in­ter­pre­tie­ren­de Ebene hinzu. Wie können wir dieses in eine Bild­fol­ge um­set­zen? Welche Mittel stehen uns zur Ver­fü­gung? Und wird das Er­geb­nis dem Text, der Lektüre oder dem Gedicht gerecht? In diesem Work­shop zer­le­gen wir den Text und setzen ihn mit fil­mi­schen Mitteln wieder zu­sam­men. Wir er­stel­len ein Sto­ry­board, pro­du­zie­ren das Video und schnei­den es mit einer Vi­deo­schnitt­soft­ware z.B. zu einem Poe­sie­film. Ziel des Work­shops ist es, den Ju­gend­li­chen, die in einer medial-visuellen Welt leben, äs­the­ti­sche Grund­la­gen mit­zu­ge­ben.

Zur Person von Markus Rose: Nach dem Lehr­amts­stu­di­um tätig als Cutter für ver­schie­de­ne Pro­duk­tio­nen und Fern­seh­sen­der (WDR, SWR). Als frei­be­ruf­li­cher Fil­me­ma­cher tätig seit 2001. Aus­bil­dung zum Digital Video Editor in München. Seit über 10 Jahren als freier Re­fe­rent für Work­shops im ZKM tätig. Wei­ter­hin Lehr­auf­trag an der Hoch­schu­le Karls­ru­he – Technik und Wirt­schaft im Bereich Vi­deo­pro­duk­ti­on.

Work­shop 3: Dr. Pa­tri­zia Kühner, „Alles neu, alles anders?! – Di­gi­ta­le Un­ter­richts­ideen ent­wi­ckeln, aus­pro­bie­ren und dis­ku­tie­ren“

Un­ter­richt ist im Wandel. Dank Smart­pho­nes und Tablets gibt es neue – für die Schüleri*innen all­tags­na­he – Mög­lich­kei­ten, den Deutsch­un­ter­richt zu ge­stal­ten und dabei neben Fach­kom­pe­ten­zen (Spre­chen und Zuhören, Lesen, Schrei­ben und Sprach­be­wusst­sein) auch über­fach­li­che Kom­pe­ten­zen wie Selbst­lern­kom­pe­tenz, Team­kom­pe­tenz und di­gi­ta­le Kom­pe­tenz sowie Mo­ti­va­ti­on zu fördern. Der an­ge­bo­te­ne Work­shop richtet sich an alle, die In­ter­es­se am Umgang mit Tablets & Co. im Un­ter­richt haben bzw. diesen ver­tie­fen wollen. Zu­nächst er­hal­ten die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer deshalb Impulse, wie Tablets im Deutsch­un­ter­richt ein­ge­setzt werden können. Dazu gehören auch die Vor­stel­lung von und ein Aus­tausch zu einer Auswahl an Apps bspw. zur  Er­stel­lung von Mind­maps, Er­klär­vi­de­os, Pod­casts oder di­gi­ta­len Übungen. An­schlie­ßend er­hal­ten die Workshopteilnehmer*innen die Mög­lich­keit, eigene di­gi­ta­le Un­ter­richts­ideen und ‑ma­te­ria­li­en zu ent­wi­ckeln. Deshalb lautet die Bitte: „Bring your own device (Laptop oder Tablet)!“ Eine Re­fle­xi­on der Er­fah­run­gen aus der pro­duk­ti­ven Phase rundet den Work­shop ab. So soll letzt­lich dis­ku­tiert werden, was das Neue und/oder Andere beim Einsatz di­gi­ta­ler Medien ist. Somit sollen auch An­halts­punk­te gegeben werden, wie der Wandel ins di­gi­ta­le Zeit­al­ter in­kre­men­tell ge­lin­gen kann.

Zur Person von Dr. Pa­tri­zia Kühner: Nach dem Ab­schluss als Diplom-Handelslehrerin Re­fe­ren­da­ri­at mit den Fächern BWL und Deutsch, an­schlie­ßend Tä­tig­keit als aka­de­mi­sche Mit­ar­bei­te­rin und Do­zen­tin sowie Pro­mo­ti­on an der Uni­ver­si­tät St. Gallen (CH). Seit 2017 Stu­di­en­rä­tin an der Josef-Durler-Schule in Rastatt.

Ab­schluss­vor­trag: Dr. Andreas Os­ter­roth, „Di­gi­ta­li­sie­rung des Deutsch­un­ter­richts – Chancen nach und während Corona“

Der Deutsch­un­ter­richt hat eine Schlüs­sel­rol­le in der me­di­en­di­dak­ti­schen Aus­bil­dung aller Schüler und Schü­le­rin­nen. Die ver­schie­de­nen Hand­rei­chun­gen der Kul­tus­mi­nis­te­ri­en sehen auch Deutschdidaktiker*innen in der Pflicht, die Me­di­en­bil­dung vor­an­zu­trei­ben. Dies ist aus fach­wis­sen­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve sinn­voll, handelt es sich bei der di­gi­ta­len Kom­pe­tenz oder der digital li­ter­acy doch um eine „neue Kul­tur­tech­nik“ (Kerres 2017: 85). Trotz­dem stellt sich die Frage „nach dem Mehr­wert di­gi­ta­ler Medien im Un­ter­richt“ (Wampf­ler 2019: 70), welche nicht so einfach zu be­ant­wor­ten ist. Wichtig zu klären wäre, wie „sich der Deutsch­un­ter­richt ent­wi­ckeln [soll]“ (ebd.: 73). Mit der Mam­mut­auf­ga­be der Di­gi­ta­li­sie­rung des Deutsch­un­ter­richts stehen die Lehr­kräf­te leider oftmals ohne sys­te­ma­ti­sche Un­ter­stüt­zung da, auch wenn immer mehr Gelder be­reit­ge­stellt werden. Ebenso fehlt in der Mehr­heit die Be­reit­schaft, kon­se­quent zu di­gi­ta­li­sie­ren und viele gute Vor­schlä­ge und Best-Practice-Beispiele ver­hal­len in der Echo-Kammer der En­thu­si­as­tin­nen und En­thu­si­as­ten. Corona hat in diesem Zu­sam­men­hang eine ra­di­ka­le Än­de­rung her­bei­ge­führt und eine Blitz-Digitalisierung er­mög­licht, die viele Nach­tei­le, aber für die Zukunft durch­aus auch Vor­tei­le bietet. Diese sollen im Vortrag er­ör­tert und auch dis­ku­tiert werden.

Fol­gen­de Fragen sollen ge­mein­sam im Plenum dis­ku­tiert werden:

  • Welche Chancen hat die Blitz-Digitalisierung durch Corona ge­bracht?
  • Welche Bau­stel­len bleiben wei­ter­hin offen?
  • Wie kann eine sinn­vol­le Stra­te­gie für die Zukunft aus­se­hen?

Li­te­ra­tur:

  • Kerres, Michael (2017): Di­gi­ta­li­sie­rung als Her­aus­for­de­rung für die Me­di­en­päd­ago­gik: „Bildung in einer digital ge­präg­ten Welt“. In: Fischer, Chris­ti­an (Hg.): Päd­ago­gi­scher Mehr­wert? Di­gi­ta­le Medien in Schule und Un­ter­richt. Münster: Waxmann.
  • Wampf­ler, Phil­ip­pe (2019): Mehr­wert der Di­gi­ta­li­sie­rung für den Deutsch­un­ter­richt. In: Frey, Pascal/Baumgartner, Stephan/Pfister, Andreas (Hg.): Neuland Di­gi­ta­li­sie­rung. VSDL, 70–86.

Zur Person von Dr. Andreas Os­ter­roth: Nach Lehr­amts­stu­di­um und Re­fe­ren­da­ri­at in Deutsch, Ma­the­ma­tik und Sport an einer Grund- und Re­al­schu­le plus als Lehr­kraft tätig. 2013 Ab­ord­nung an das In­sti­tut für Ger­ma­nis­tik der Uni­ver­si­tät Koblenz-Landau mit er­folg­rei­cher Pro­mo­ti­on 2015. Seitdem als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter im Bereich Sprach­di­dak­tik und Sprach­wis­sen­schaft tätig. Re­fe­rent für Di­gi­ta­li­sie­rung des Un­ter­richts an Hoch­schu­le und Schule.